Großteil der Hallenser wünscht neuen Rathaus-Bau
Ausstellung der Architekten-Modelle beendet - Meinungen geteilt - Diskussion geht weiter

Marktplatz / Gestaltung

Von unserer Redakteurin
KERSTIN METZE

Halle/MZ. Ein Großteil der Hallenser möchte offensichtlich, daß an der Stelle auf dem Marktplatz, wo einst das alte Rathaus gestanden hat, wieder ein Verwaltungsbau entsteht. Zumindest läßt sich das aus den schriftlichen Meinungsäußerungen ablesen, die während der gestern zu Ende gegangenen Ausstellung der Modelle im Roten Turm gesammelt worden sind. Bekanntlich hatte es einen Architekten-Wettbewerb gegeben, in dessen Ergebnis zwei Kölner und ein Berliner Büro als Preisträger gekürt worden waren. Obwohl keiner der Entwürfe den originalgetreuen Wiederaufbau des alten Rathauses, das in den letzten Kriegstagen beschädigt und später abgerissen worden war, berücksichtigt hatte, machten sich mehrere Architekten stark für eine mehr oder weniger modernistische Wiederherstellung des einstigen Platz-Ensembles.

Insgesamt hatten sich nach Angaben von Oberbürgermeister Klaus Rauen (CDU) 2300 Besucher die Exposition angesehen und "sich aktiv an der Diskussion der Entwürfe zur künftigen Marktgestaltung beteiligt". Zwei Drittel der Hallenser, die ihre Meinung in einem Ausstellungsbuch kundgetan hatten, wünschten sich nach Rauens Aussage das alte Bild wieder, 75 Bürger hätten sich demgegenüber gegen eine Veränderung der Marktplatz-Dimension ausgesprochen.

Besonders gefreut hat sich Baustadtrat Wolfgang Heinrich (CDU) über die Tendenz. Er hat nie einen Hehl daraus gemacht, daß man das historische Rathaus wieder aufbauen sollte. "Ich bin überzeugt, dass unser Marktplatz dann einer der schönsten in Deutschland würde", meinte er überschwänglich. Rauen, der seinerzeit in einem Gespräch mit der MZ zum ersten Mal den Gedanken an einen möglichen Wiederaufbau des Rathauses geäußert hatte, hält sich nach eigenen Angaben mit seiner persönlichen Auffassung zurück, sagte lediglich: "Herrn Heinrichs Meinung ist mir nicht unsympathisch." Er wolle vielmehr, so der OB, dass die Hallenser aktiv helfen, eine Entscheidung darüber zu treffen, wie das Wohnzimmer der Stadt künftig aussehen soll.

Mitteldeutsche Zeitung, 14.01.1994
Unterstreichung: U. Schröder

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