Wiederaufbau trotz leerer Kassen?

Kuratorium ließ sich die andernorts erfolgreiche Rekonstruktion bedeutender Bauten schildern

Halle/MZ/gau. Es ist ein großes Vorhaben: Der Wiederaufbau des Alten Rathauses. Die Befürworter des Projekts vom Kuratorium Altes Rathaus ließen sich vor kurzem von Fördervereinsvertretern anderer Städte berichten, wie dort die Rekonstruktion historischer Bauten gelang. Trotz knapper Kassenlage der Kommunen.

"Für solche Luxus-Geschichten ist bei Städten kein Geld da", formulierte der Potsdamer Wieland Eschenburg seine Erfahrungen. In seiner Stadt wurden dennoch Wiederaufbau-Projekte gestemmt, etwa das Stadtschloss. Dabei gingen die Brandenburger geschickt vor: Es wurde erst in Teilen wieder aufgebaut, Handwerkerinitiativen engagierten sich und Millionen flossen aus Stiftungen zu. Das klingt leicht, doch Eschenburg machte klar: "Man braucht viel Geduld, einen langen Atem und die Gabe, nicht zu verzweifeln."

Fritz Reimann berichtete vom leuchtendsten Wiederaufbau-Projekt: der Dresdener Frauenkirche. Bald ist sie fertig - ein 250 Millionen Euro-Projekt. Im Elb-Florenz kam viel Geld durch Stifterbriefe zusammen: Symbolisch erstanden Spender Teile der Frauenkirche . Reimann: "Es gab insgesamt etwa 600 000 Spender."

So etwas geht auch in Sachsen-Anhalt und in kleinerem Maßstab: In Halberstadt (40 000 Einwohner) sorgte Günter Stelle mit einem Bürgerverein für die Rekonstruktion des dortigen Rathauses: Ein Investor wurde eingespannt und die Stadt leistete einen Beitrag, indem sie sich auf etwas mehr als der Hälfte der entstandenen Fläche einmietete. Die Kommune dort hat auch die Option, in 25 Jahren das Historische Rathaus zu kaufen. Für eine angrenzende Ratslaube haben die Halberstädter binnen sechs Jahren zudem 365 000 Euro an Spenden gesammelt - ebenfalls mit Stifterbriefen als symbolische Besitzurkunden für Teile des Gebäudes.

Schröder zeigte sich von den Erfahrungen des Trios angetan. Zu sehen, das anderswo Wiederaufbau historischer Gebäude gelingt, mache "Mut und gibt Kraft". Besonders Halberstadt habe ihn beeindruckt: "Dabei ist das so eine kleine und relativ arme Stadt. Was Bürger bewegen können - das ist toll."

 Mitteldeutsche Zeitung, 17.05.2003. Seite 12

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