"Mauerstraße ist Vorbild"
Kuratorium: Ergebnis nachahmenswert
Von unserem Redakteurin
HEIDI POHLE
| Halle/MZ. Die Mitglieder
des Kuratoriums Altes Rathaus haben den Wiederaufbau des Hauses in der
Mauerstraße Nummer 2 mit besonderem Interesse verfolgt. Der Grund: Solch
eine originalgetreue Nachbildung eines historischen Gebäudes wünschen
sie sich auch für das Alte Rathaus am Markt. Die Stadt steht dem
Vorhaben nach wie vor skeptisch gegenüber. Es fehle unter anderem das
Geld, hieß es. Wer sich die Mauerstraße 2 in
unmittelbarer Nähe des Franckeplatzes anschaut, wird nicht auf den
Gedanken kommen, vor einem Neubau zu stehen; das hellgraue, dreietagige
Gebäude scheint frisch saniert zu sein. Tatsächlich aber wurde das 1725
errichtete und 1870 aufgestockte Haus originalgetreu aufgebaut, nachdem
es seit rund 30 Jahren vom Schwamm befallen und nicht mehr bewohnbar
gewesen war. Eine Sanierung schien unmöglich zu sein. Die
Denkmalschützer akzeptierten den Abriss, wie Norbert Böhnke,
stellvertretender Vorsitzender vom Kuratorium Altes Rathaus, sagte.
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 Die Plastik des Alten Rathauses steht seit
einem Jahr am Markt. |

Eine Augenweide in der Stadt:
Die Mauerstraße 2 wurde originalgetreu wieder aufgebaut. |
Zu diesem Zeitpunkt war das benachbarte Krankenhaus St. Barbara und St.
Elisabeth schon Eigentümer des Hauses. Weil die Klinik jedoch die
Nachbar-Häuser Nummer 3 und 4 abreißen wollte, um dort das neue
Eingangsgebäude zu errichten, wurden die Grundstücke mit der einst dort
ansässigen Korbflechterei Wiegand getauscht. Anschließend baute die Klinik
das neue Haus Nummer 2, das nun Wiegands gehört. Die Familie betreibt darin
ein Geschäft für Korbwaren und Geschenke. Über dem Laden liegen zwei
Wohnungen.
Nach Böhnkes Worten sei dieses Haus das erste in Halle, das - unter
Denkmalschutz stehend - abgerissen und wieder aufgebaut worden sei. "Das
Ergebnis kann sich sehen lassen und regt zur Nachahmung an." Es zeige, was
machbar sei, ohne in Gefahr zu geraten, ein "Disneyland" auf den Markt zu
stellen.
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Nach den Worten von Stadtsprecher Dirk Furchert gibt es mehrere Gründe,
weshalb ein Wiederaufbau des historischen Gebäudes fragwürdig sei. So
gestalte jede Generation das Stadtbild nach ihren eigenen Vorstellungen. Die
Planungen für die Umgestaltung des Marktplatzes liefen schon. "Außerdem -wer
soll das Alte Rathaus bezahlen?", fragte er und verwies auf die vielen
Altbauten in Halle, die noch auf eine Sanierung warteten.
Mitteldeutsche Zeitung, 25.10.2002, Seite 14
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