Nobelpreisträger will Wiederaufbau
Prof. Günter Blobel zu Gast im Audimax: Großartiges
Ensemble am Markt – Stadt weiter dagegen
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![Nobelpreisträger Prof. Blobel [Quelle: MZ 31.05.02]](bilder/presse_15.jpg)
Foto: Bettina Wiederhold,
MZ vom 30.05.2002, Seite 11 |
„Das alte Rathaus
muss wieder aufgebaut werden“ – so lautete die einstimmige Meinung am
Mittwochabend im Hörsaal zwölf des neuen Audimax. Der Verein Kuratorium
Altes Rathaus hatte zum Gespräch geladen und hochkräftige Unterstützung
mitgebracht: Prof. Günter Blobel, Nobelpreisträger für Medizin im Jahr 1999,
war aus New York angereist, um sich für die Rekonstruktion stark zu machen.
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Der gebürtige Schlesier kennt sich aus, wenn es darum geht, sich für
historische Gebäude einzusetzen. Den größten Teil (1,6 Millionen Mark)
seiner Nobelpreis-Prämie spendete er für den Wiederaufbau der Dresdner
Frauenkirche. Der 66-Jährige gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn er – wie
am Mittwoch – von dem Bauwerk berichtet: „Ich kann es kaum erwarten, die
Frauenkirche wieder zu erleben“. Doch auch für andere Bauwerke, wie zum
Beispiel die Leipziger Paulinerkirche, setzt er sich ein.
Das alte Rathaus von Halle hat es ihm besonders angetan: „Wenn man Bilder
vom alten Halle sieht, kann man über die Schönheit nur staunen“, war er sich
mit den Gästen im nahezu vollbesetzten Audimax-Saal einig. Das im 15.
Jahrhundert entstandene Rathaus war am 31. März 1945 bei einem Luftangriff
teilweise zerstört worden. Bis 1950 wurde das Bauwerk mit Teilen aus Gotik,
Renaissance und Barock dann vollständig abgetragen.
Professor Blobel sprach sich auch dafür aus, die Ratswaage
und das nebenliegende Barockhaus wieder zum Leben zu erwecken: „Das ergäbe
ein großartiges Ensemble“. Der Wiederaufbau sei aber nicht nur eine Frage
der Sentimentalität, sondern auch der Wirtschaft: „Es würde viele Touristen
anziehen“.
Die Stadt Halle spricht sich allerdings weiterhin gegen einen Wiederaufbau
des Alten Rathauses aus. „Es gibt eine beträchtliche Substanz an Denkmälern,
die in Halle erhalten und wiederhergestellt werden müssen. Außerdem sehen
wir keinen Weg zur Finanzierung des Wiederaufbaues“, so Pressesprecher Dirk
Furchert.
Mitteldeutsche Zeitung, 31.05.2002, Seite 15
Autor: Antonie Städter
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