Die Stadt Halle braucht eine zentrale und effektive Verwaltung

Bürgermeinung ist gefragt, wenn es ums Rathaus geht
 VON ANDREAS DUNTE UND INGOLF ROSENDAHL


Halle soll ein neues Rathaus bekommen. Seinen Platz wird es dort haben, wo einst das alte Rathaus stand, das - von angloamerikanischen Bomben beschädigt - nach dem Krieg abgerissen worden war. Der Magistrat braucht einen neuen Verwaltungssitz. An über 50 Stellen in der Stadt verteilt, arbeiten die Behörden uneffektiv, von den Personal- und Betriebskosten nicht geredet. Noch 1993 treten zehn renommierte Architektenbüros in den Wettstreit um die beste Lösung für das neue alte Rathaus. Die Meinung der Hallenser ist dazu gefragt, versprach gestern OB Dr. Rauen gegenüber Tageblatt.

Halles Markt zählte einst zu den schönsten Plätzen Deutschlands. Der Treffer im Krieg richtete zwar Schaden an dem Haus an, sein Abriß war aber eine der sinnlosen Entscheidungen der neuen Machthaber. Doch Geschichte läßt sich nicht rückgängig machen.


Markt und Innenstadt sollen attraktiver werden

Um den Marktplatz wie die gesamte Innenstadt attraktiver zu machen, liegt ein Wiederaufbau nahe. „Wir wollen nicht das Rathaus von einst, nur damit wir ein Denkmal mehr in der Stadt haben. Das Geld dafür wäre dringend anders vonnöten", so Halles Oberbürgermeister Dr. Rauen gestern gegenüber Tageblatt.

Die Stadt braucht eine Verwaltung, die effektiv strukturiert ist, natürlich auch räumlich. Die derzeit in der Stadt verstreut sitzenden Verwaltungsmitarbeiter ziehen unweigerlich einen langen Schwanz von unnötigen Ausgaben nach sich (Kosten für Personal, Heizung, Miete, Transporte). Und billiger wird künftig nichts werden.


Einheit aus alt und neu wird angestrebt

Wie will man aber das alte Rathaus wieder aufbauen und zugleich in den schon aus heutiger Sicht viel zu engen Räumen die Verwaltung unterbringen? Einen neuzeitlichen Bau anstelle des alten Rathauses hinzusetzen, wäre falsch, weil das Umfeld dafür fehlt. Die Meinung der Architekten ist deshalb gefragt. Rauen: „Noch 1993 werden wir zehn erstklassige Architektenbüros in den Wettstreit um die beste Lösung schicken. Wir geben nur die Fläche vor."

Eine Lösung, die alt und neu verbindet, hat dabei aus Rauens Sicht die besten Chancen. Entschieden wird über die Entwürfe gemeinsam mit den Hallensern. Rauens Satz sollte man sich merken: „Die Meinung der Bürger ist gefragt, wenn es ums Rathaus geht“.


Unternehmen wollen Geld vorschießen

Worüber sich der OB und seine Mitstreiter noch uneins sind, ist die Finanzierung. Man spekuliert auf Bundesmittel, die das Land verwaltet. Auch wenn die geringer ausfallen als erhofft, soll gebaut werden. Angebote von Firmen liegen vor, sie wollen mitfinanzieren, die Stadt kann über einen Zeitraum von ca. 20 Jahren zurückzahlen.

Klar ist nur: der Bund muß ran

Welche Fachabteilung die maßgebende ist, mit welcher Summe Halle rechnen kann und ob diese vielleicht sogar schon bewilligt ist, das konnte Hildegard Bocklage, Pressesprecherin des Magdeburger Bauministeriums, gestern noch nicht mitteilen. Klar ist nur, verriet sie dem Tageblatt, daß ein mit Bundesmitteln gefüllter Städtebaufördertopf angezapft werden muß.


Hallesches Tageblatt
 17./18.04.1993
 

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