Wer je in Halle
war, wird aufs Stärkste gepackt sein.
Aus
Leserzuschriften an die Redaktion des Wochenspiegels

Diesen eindrucksvollen Farb-Holzschnitt sandte der Maler und Grafiker
Ullrich Bewersdorff an die Redaktion des WOCHENSPIEGEL - im Original! Für
ihn gehört zur Historischen Situation auch das auf der Nord-Ost-Ecke
platzierte Waage-Gebäude.Zu „Blickfang auf dem Markt“, Ausgabe 44 vom
31.10.2001, Seiten 1 und 2
,Ich möchte meine Meinung mit diesem Farb-Holzschnitt zum Alten Rathaus
ausdrücken. Arme Städte vieler Länder können uns Vorbild sein in Achtung
eigener Tradition und Geschichte.'
Ulrich Bewersdorff
„Als Anlage sende ich ihnen zwei ältere Stellungnahmen zur Begründung für
den Wiederaufbau des Alten Rathauses. Ich bin der Meinung, dass die darin
enthaltenen Aussagen nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben. (Es folgt
ein Zitat aus einem Brief von Dr. Kurt Gerstenberg, Professor für
Kunstgeschichte an der Universität Würzburg, geschrieben im Jahre 1946/47 -
die Redaktion): „Wer je in Halle war, wird aufs Stärkste gepackt sein durch
das Bild des großartigen Marktplatzes. Da ich über anderthalb Jahrzehnte das
Glück gehabt habe, an der Universität Halle zu lehren, ist mir dies Bild
nicht nur ans Herz gewachsen, ich habe mir auch über die Gründe seiner
schlagenden Wirkung Rechnung zu geben gesucht. So gewaltig der Rote Turm -
Ausdruck einer nackenstolzen Bürgerschaft - auch ist, er ist nicht zu denken
ohne die Gruppe der beiden Turmpaare der Marienkirche auf der einen und der
achtseitigen Kuppel und dem derbkräftigen Maßwerkgiebel des Rathauses auf
der anderen Seite. Damit kommt man auf das Entscheidendste. Die bedeutende
Haltung des Platzes wird gewonnen durch seine Geschlossenheit ... Die
Geschlossenheit der Platzwand ist beim Rathaus wahrhaft vollkommen ... Man
muss seine Räume (des Rathausbaues - die Red.) durchschritten haben, um zu
wissen, wie ungewöhnlich treffsicher hier die Stadtbaumeister früherer Zeit
gewaltet haben, um im Inneren des Rathauses eine 'Gute Stube' für die ganze
Stadt zu schaffen."
Wolfgang Heinrich
,Durch den Wegfall des Alten Rathauses und seines Anbaues in der
Gustav-Anlauf-Straße hatte sich der Marktplatz zur Leipziger Straße hin
geöffnet. Die Einengung auf ca. 25 - 30 Meter wirkte beklemmend und
bedrohlich. Man sollte vom Vermessungsdienst den Flächenbedarf an Ort und
Stelle einmal markieren lassen - 80 Prozent der Befürworter würden sich von
dem 'Problem' abwenden. Wenn der Marktplatz sein ursprüngliches Bild wieder
erhalten sollte, würde das Waage-Gebäude, der Umbau des Roten Turmes sowie
des Siegesbrunnen erforderlich. Ebenso müsste das Kaiser-Wilhelm-Denkmal
wieder errichtet werden. Das wieder errichtete Alte Rathaus allein würde ein
Torso bleiben ohne die anderen Bauwerke. Die Stadt Halle wäre der
Lächerlichkeit preisgegeben neben der Fassade des neuen Warenhauses eine
Rekonstruktion aus dem Mittelalter.'
Heinz-Joachim Lincke
Wochenspiegel
21. November 2001
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