Kaufhof-Neubau
überragt Ratshof
Überarbeitete Entwürfe liegen vor
Halle/MZ. Die Planungen für den Erweiterungsbau des Kaufhofs an der Nordost-Ecke des
Marktplatzes in Halle gehen in eine entscheidende Phase. Planungsdezernent Friedrich
Busmann und der Architekt Johannes Kister stellten die noch einmal überarbeiteten
Entwürfe am Dienstagabend einem geladenen Kreis von Fachleuten
sowie den Stadtratsfraktionen vor. Laut Busmann ist mit der Baugenehmigung in Kürze zu
rechnen: "Die Sache eilt", sagte er. Die Projektentwicklungsgesellschaft
Frankonia,
die in Halle unter anderem das Händelkarree betreut, errichtet den Bau. Kaufhof als
Hauptnutzer will das Haus Weihnachten 2003 eröffnen. Es ging in der Runde also nicht
um ein nochmals grundsätzliches Für und Wider zum Entwurf, der in seinen Grundzügen auf
den preisgekrönten Wettbewerbsmodell des drei Jahre zurückliegenden städtischen
Auswahlverfahrens beruht. Vielmehr legten Busmann und Kister wert auf die Fachdiskussion
über gestalterische Details.
Der Baukörper öffnet sich zum Marktplatz mit einer
West- und einer Südfassade. Sie schließen zum einen an die Häuser der Einmündung zur
Brüderstraße, zum anderen zur Rathausstraße auf. Die zum roten Turm ausgerichtete Seite
präsentiert eine bündige, in fünf Geschossen horizontal gegliederte Front. Dort
befindet sich auch der Eingang. Die zum Ratshof und zur Leipziger Straße gewendete Seite
springt in drei abgeschrägten Stufen zur Flucht der Rathausstraße zurück. Die beiden
Fassaden setzen sich bewusst voneinander ab, um jeweils eigenständig auf den Platzraum zu
reagieren. |
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Gegenüber dem Wettbewerbsmodell und nachfolgenden Varianten
verzichtet der Baukörper jetzt auf die auffallende Dachlandschaft zugunsten geschlossener
Blockhaftigkeit. Auch bei den Funktionen weichen die Planungen von den ursprünglichen
Vorgaben ab. An Stelle einer Ladenpassage offener, marktähnlicher Struktur beansprucht
der Kaufhof jetzt auch das Erdgeschoss als Verkaufsfläche. Jedoch wird an der
Gebäudeecke zur Rathausstraße sowie im ersten Stock entlang der Westfront die separat
betriebene Gastronomie beibehalten, die wesentlich zu einer Tag- und Nachtbelebung des
Ortes beitragen soll. Eine direkte Verbindung zum bestehenden Kaufhof-Gebäude soll es nur
unterirdisch geben.
D i e a u f f a l l e n d s t e W e i t e r e n t w i c k l u n g
d e s E n t w u r f s l i e g t i n
s e i n e r p l a t z b e h e r r s c h e n d e n W e
s t s e i t e . |
Statt der "abstrakten Flächigkeit" einer
"Wandscheibe", wie es Kister formuliert, ist jetzt eine horizontal gegliederte
Fassade zu erkennen. Sie erscheint in den Untergeschossen verglast, in den Obergeschossen
dagegen als Wand. Dort wird sie von verstreuten Fensterschlitzen asymmetrisch
durchgliedert. Für die Fassadenverkleidung schlägt Kister hellgrau gesprenkelte
Muschelkalkplatten vor. In der bündigen Verfugung sollen sie eine "homogene
Wirkung" entfalten. Somit spielt der Bau sowohl im Material als auch in
Blockhaftigkeit und Gliederung auf die Platzbauten des Ratshofs und des Warenhauses an der
Südseite ("Wöhrl") an, beides Bauten sind aus den 20-er Jahren. Unter anderem
im Verzicht auf jegliche Symmetrien spricht er aber eine deutlich zeitgenössische
Sprache. Darin fand er in der Runde zwar breite Zustimmung, K r i t i k setzte aber a n
d e r j e t z t g e p l a n t e n B a u h
ö h e an. Kritisch angemerkt wurde auch die zum Haus Marktplatz 22
verlängerte Fassade. Der Bau aus der Jahrhundertwende wird vollständig entkernt. Beides
wird bedingt durch Raumvorgaben des Kaufhofs, der Geschosshöhen vorschreibt und die
Verkaufsfläche in das entkernte Nachbarhaus ausdehnt. Kisters Bau, bisher als
würfelförmiger Solitär nach Art der einstigen "Waage" gedacht, nimmt
stattdessen die Nordostecke ganz in Besitz. D i e T r a u f h ö h e
l i e g t e t w a e i n e n h a l b e n
M e t e r ü b e r d e r d e s
R a t s h o f e s . In den Augen einiger Kritiker wird diese Masse den Platz
unangemessen beherrschen. Klarheit über die räumliche Wirkung kann jedoch erst ein
maßstäbliches Modell geben, das baldmöglichst fertiggestellt und öffentlich diskutiert
werden soll.
von Günter Kowa
(Hervorhebungen: U. Schröder)
MITTELDEUTSCHE ZEITUNG, 21.06.2001, Seite 11
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