Das Rathaus wird auf eine Säule gestellt

Burgabsolventin arbeitet an Modellen  Auftrag von Kuratorium

Von unserer Mitarbeiterin
CLAUDIA CRODEL

Halle/MZ. Mit geschickten Händen modelliert Cathleen Meier an einer rund 1,20 Meter hohen Keramiksäule. Türme, Hauswände, Zweige sind auf ihr zu erkennen. Auf einem Tisch wenige Schritte daneben steht ein Modell des alten halleschen Rathauses. Auch das hat die Bildhauerin gefertigt. Auftraggeber für das Kunstwerk ist das Kuratorium Altes Rathaus Halle, das sich für den Wiederaufbau des Gebäudes einsetzt.

„Ich bin erstaunlich gut vorangekommen“, freut sich Cathleen Meier, die an dem fast fertigen Keramikmodell bislang ungefähr vier Wochen modelliert hat. Vorausgegangen waren jedoch zahlreiche Vorarbeiten. So schaute sich die junge Künstlerin intensiv das Modell des alten Rathauses an, das im Stadtmuseum steht. Eine Handvoll alter Postkarten, auf denen das Rathaus abgebildet ist, nennt sie ihr eigen, und im Stadtarchiv kopierte sie alte Zeichnungen und Pläne. Von denen nahm sie die Maße, um bei der Nachgestaltung des Gebäudes die Proportionen zu wahren.

„Mir geht es nicht nur um eine bloße Nachgestaltung“, erläutert die 30Jährige. Vielmehr wolle sie über das Objekt auch Gedanken transportieren. Sie hat die Trägersäule so gestaltet, dass sie die Geschichte von Zerstörung, Wiederaufbau [und] Wachsen erzählt. Blätter und Zweige symbolisieren das Wachsen nach oben und finden sich deshalb nicht nur auf der Säule, sondern auch auf der Rückseite des Gebäudemodells. Und selbst die Kosten für den Wiederaufbau spielen im Entwurf eine Rolle.

Wenn Cathleen Meier ihr Keramikmodell vollendet hat, wird es in Gips umgeformt. In der Gießerei werden dann die Formen hergestellt, aus denen die fertige Bronzeplastik entstehen kann. „Das alles wird noch mehrere Wochen Zeit in Anspruch nehmen“, sagt die Künstlerin.

Die aus Magdeburg stammende Cathleen Meier, die gerade ihr Aufbaustudium im Fachbereich Bildhauerei an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein beendete, hat bereits eine Reihe einschlägiger Erfahrungen bei der Gestaltung von Kunst im öffentlichen Raum gesammelt. 1998 fertigte sie zwei Fassadenfiguren für das alte Messehaus in Leipzig. Auch ihre Diplomarbeit widmete sie der Kunst im öffentlichen Raum. Es entstand eine Plastik zum Thema „Opfer des Faschismus“ für die Lichtenburg in Prettin (Landkreis Wittenberg). Weiterhin hat sie Entwürfe für zwei Figuren für ein Kaufhaus auf dem Erfurter Anger entworfen, die in einem Steinmetzbetrieb umgesetzt werden.

MITTELDEUTSCHE ZEITUNG, 16.05.2001, Seite 14

 

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