Bürgerinformation
- 12 Fragen zum Wiederaufbau des Rathauses in Halberstadt
1. Warum wird Baukunst zerstört?
Werke der Baukunst sind in der Geschichte immer zerstört worden und werden
noch heute zerstört, um die kulturelle Identität von Menschen, die als
Feinde angesehen werden, zu vernichten. Der Verlust der kulturellen
Identität soll zum allgemeinen Identitätsverlust, zum Verlust des
Selbstbewußtseins und damit zum Zusammenbruch des Widerstandes des Gegners
beitragen.
Alle kulturellen Werke in Europa sind aber Zeugnisse einer gemeinsamen
Kultur. Zerstört also eine europäische Nation Kulturwerke einer anderen
europäischen Nation, so zerstört sie damit auch Zeugnisse ihrer eigenen
Kultur - wie heute die Beispiele im ehemaligen Jugoslawien erkennen lassen,
In Bezug auf die Weltkultur führen Kulturzerstörungen ohne Zweifel zu
Verlusten, die die Identität aller Menschen unseres Kulturkreises berühren.
Natürlich sind diese Feststellungen grundsätzlicher Art und gelten für alle
Kulturkreise.
2. Warum müssen zerstörte Kulturzeugnisse wieder errichten werden?
Der Wiederaufbau von Zeugnissen unserer Baukultur - und der anderer
europäischer Nationen, die im Wahnsinn eines Krieges zerstört worden sind -
muß folgerichtig im Interesse der Bewahrung von Zeugnissen der europäischen
Kultur und damit der europäischen Identität liegen. In der gerade heute für
jeden sichtbaren Entwicklung zu einer Weltkultur liegt die Wiederherstellung
wesentlicher Kulturzeugnisse auch im Interesse der Bewahrung des Erbes der
Weltkultur.
Verständnis zwischen ehemals verfeindeten Völkern wird nur dann nachhaltig
gefördert, wenn die geschlagenen Wunden, auch im Bereich der Kultur, wieder
heilen können, wenn also, soweit als möglich, die einst in feindlicher
Absicht zerstörten Werke wieder erstehen können.
Friede und Verständnis wird zum Beispiel in Mostar erst wieder einkehren,
wenn die großartige, in osmanischer Zeit erbaute Brücke wieder errichtet
worden ist.
3. Ist das wiederaufgebaute Knochenhaueramtshaus ein Zeugnis für
Völkerverständigung?
In Hildesheim hat man alljährlich am Tag der Zerstörung des
Knochenhaueramtshauses vor seinem großen Keramikbild im Rathaus in Trauer
und Schmerz dieses verlorenen Symbols bürgerlicher Kultur feierlich gedacht.
Nach dem Wiederaufbau gibt es keinen Grund mehr für eine solche, alte Wunden
immer wieder aufreißende Veranstaltung. Und als bei der Eröffnung des
Amtshauses eine englische Militärkapelle einen halben Tag lang spielte und
von den Bürgern mit viel Beifall bedacht wurde, hatte das erkennbar
symbolische Bedeutung.
4. Warum bringt ein Wiederaufbau einen kulturellen Wert?
In Deutschland steht dem Wiederaufbau von Werken unserer Baukultur der in
der Moderne - also erst in unserem Jahrhundert - entstandene übersteigerte
Originalitätsbegriff entgegen, der nur dem Original, nicht aber seiner
Rekonstruktion künstlerischen und kulturellen Wert zuerkennt. Die
ideologische Übersteigerung führt sogar so weit, daß einige Theoretiker der
Denkmalpflege und der Architektur jede Rekonstruktionsbemühung als
charakterloses Unterfangen ausgeben.
Im Gegensatz zu solchen Vertretern fundamentalistischer Ideen akzeptieren
aber die Bürger eine Rekonstruktion wie ein Original und identifizieren sich
mit ihr als einem lebendigen wiedererstandenen Zeugnis ihrer Kultur. Als
Beispiele können hier angeführt werden: in München der Wiederaufbau der
Residenz und des Cuvilliertheaters, in Frankfurt die Rekonstruktion des
Goethehauses und der Römerplatzbebauung, in Hannover die Wiedererrichtung
der Fassade des Leibnizhauses; in Berlin der Wiederaufbau des
Schauspielhauses; in Dresden die Wiederherstellung des Zwingers und der
Semperoper, in Hildesheim die Wiedererstellung des Marktplatzes mit dem
Knochenhaueramtshaus und schließlich die laufenden Bemühungen um die
Rekonstruktion des Schlosses und der Frauenkirche in Dresden. Alle diese
Beispiele können als handwerklich und architektonisch gekonnte Ergebnisse
angesehen werden. Sie werden von den Bürgern als fast vollwertiger Ersatz
des Originals angesehen und in einem so starken Maße angenommen wie kaum ein
Bauwerk unserer Zeit. Es kann aber auch beobachtet werden, daß
wiedergewonnene kulturelle Identität die Selbstsicherheit verleiht, die zur
Akzeptanz zeitgemäßer Gestaltungen führt.
5. Wann ist ein Wiederaufbau keine Geschichtsfälschung?
Angesichts der offensichtlichen großen Bürgerakzeptanz eines Wiederaufbaus,
durch die der übersteigerte Originalitätsbegriff in den Bereich bloßer
Theorie verwiesen wird, muß man sich aber fragen, warum immer noch Politiker
und Vertreter der Verwaltung jeglichen Wiederaufbau ablehnen. Prof. Dr.
Jürgen Paul, Tübingen, hat angesichts der jahrelangen Diskussion um den
Wiederaufbau des Knochenhaueramtshauses alle vorgetragenen Argumente für und
wider in einer aufschlußreichen Studie analysiert. Die häufigsten in
Variationen vorgetragenen Argumente gegen einen Wiederaufbau waren: Man
dürfe die Geschichte nicht verfälschen, die Zerstörungen seien ein Teil
unserer Geschichte und es sei unehrlich, ein Bauwerk der Vergangenheit
wieder aufzubauen und damit Geschichte revidieren zu wollen.
Schließlich sei unsere Zeit doch auch in der Lage, gleichwertiges in der
Sprache unserer Zeit zu schaffen.
Es ist offensichtlich, daß diese Argumentation sehr stark bestimmt war von
der Nachkriegssituation. Die Offenbarung der von Deutschen verübten
Verbrechen während des Krieges führte zur Distanzierung von der eigenen
Geschichte, in der möglicherweise Ursachen für den tiefen moralischen Sturz
zu suchen seien.
Das emphatische Bekenntnis zur Moderne war eine Reaktion auf ihre Verdammung
durch die Nationalsozialisten. Es war aber auch die Hinwendung zur
Internationalität, gesehen als ein Bekenntnis zur europäischen
Völkergemeinschaft, von der sich die Deutschen isoliert fühlten.
Schließlich hat wohl aber auch die nationale Neigung zum Grundsätzlichen zum
Verdikt jeglicher Rekonstruktion geführt.
Heute ist die komplexbeladene Geschichtsablehnung einer realen Betrachtung
und teilweise einem ausgesprochenen Geschichtsinteresse gewichen. Argumente
gegen einen Wiederaufbau können also aus dem Geschichtsverständnis nicht
mehr abgeleitetet werden. Vielmehr erahnt man die Möglichkeit, daß gerade
zerstörte Zeugnisse unserer Kultur der Welt als Beispiel geistiger und
ethischer Höhen in der deutschen Geschichte hätten dienen können.
Wenn heute noch "Geschichtsverfälschung" als Schlagwort gebraucht wird, ist
es nur eine aus der Vergangenheit entlehnte leere Worthülle. Schließlich ist
Geschichte das Ergebnis unseres ständigen Handelns und auch die
Wiederaufbauten zerstörter Baukunst sind "Geschichte".
Das Geschichtsargument wird vollends fragwürdig, wenn man im Falle von
Halberstadt berücksichtigt, daß von dem Rathaus noch so viel erhalten war,
daß man es bei gutem Willen leicht hätte wieder herstellen können. Oder soll
der schändliche Abriß nachträglich noch als geschichtsträchtige Tat
gerechtfertigt werden?
Auch das Bekenntnis zur Moderne dürfte in der Zeit der Postmodeme, die mit
historischen Formen spielt, kein Gegenargument gegen einen Wiederaufbau
historischer Baukunst mehr sein.
6. Warum ist ein Wiederaufbau kein Disneyland?
Gegen eine Ablehnung jeglicher Rekonstruktion aus grundsätzlicher,
fundamentalistischer Überzeugung kann man natürlich nicht argumentieren. Sie
läßt weder das geschichtliche Identitätsverlangen, noch die Bemühung um
Wahrung kultureller Zeugnisse gelten, noch sieht sie hier einen Beitrag zur
Völkerverständigung, sondern stempelt solche Bemühung als Versuch ab,
Trugbilder zu schaffen. Disneyland ist das Etikett, das unreflektiert einer
jeglichen Rekonstruktion angehängt wird. Prof. Dr. Jürgen Paul hat auf die
Unvergleichbarkeit zwischen dem Disneyland in Amerika und wiederaufgebauten
Bauwerken aus Kulturepochen, die es dort nie gegeben hat [hingewiesen].
Unsere wieder errichteten Werke der Baukunst haben in unseren Städten
gestanden. Sie zeugen von einer Kulturphase, die es an dieser Stelle gegeben
hat und oft sind mehr oder weniger große Teile von ihnen noch vorhanden.
7. Warum wäre das historische Rathaus auch heute bürgernah?
Die Grundvoraussetzung für einen Entschluß zum Wiederaufbau eines Gebäudes
muß in einer demokratischen Gesellschaft der Bürgerentscheid sein. Damit
jedoch der Bürger sich ein Urteil bilden kann, ist er umfassend zu
informieren.
Das Rathaus von Halberstadt hat einen festen Platz in der Baugeschichte. Es
folgt einem Rathaustypus mittelalterlicher Bürgerstädte im ostaltsächsischen
Raum, hat aber infolge eines Wachstums- und Wandlungsprozesses bis zur
Zerstörung eine unverwechselbare individuelle Form erlangt. In allen Details
war es dazu angelegt, für den Bürger als ein Objekt der Identifizierung mit
seiner Eigenständigkeit und Eigenverantwortlichkeit anerkannt zu werden.
Hier sollen nur einige dieser signifikanten Architekturelemente aufgezählt
werden: Die repräsentativ symmetrisch aufgebaute Westfassade mit dem Roland,
dem Zeichen bürgerlicher Selbständigkeit, die lang gestreckte Platzraum
bildende Längsseite mit der gotischen Bürgerhalle, die reich gestaltete
Renaissancelaube, deren Freitreppen feierlich in das Geschoß des Ratssaales
führen, und die vielseitig gestaltet Ostseite, die kleinteiligeren Maßstab
setzt, wie er so recht zum Eingang in den Ratskeller paßt. Die Nordseite ist
vergleichsweise schlicht gestaltet gewesen, weil sie in einer engen Gasse
lag.
Das 19. Jahrhundert hat das Gebäude vereinheitlicht und um dekorative
Elemente bereichert, nicht zu seinem Nachteil. Das Rathaus war sehr solide
in Natursteinquadermauerwerk aufgeführt mit sorgfältiger architektonischer
Steinmetzarbeit in den gotischen Teilen und mit gekonntem bildhauerischem
Schmuck in den Renaissancebauteilen. Das Bauwerk zeichnete sich durch die
Stimmigkeit seiner Proportionen aus. Da ja alle Teile mit der Hand
gearbeitet waren, haben sie, wie bei allen mittelalterlichen und
frühneuzeitlichen Bürgerbauten, einen Bezug zum menschlichen Maßstab. Diese
Maßstäblichkeit war hier aber auch gewollt, sollte sich doch das Rathaus in
den Städten unserer Region nicht über die übrigen Bürgerbauten erheben. Eine
auftrumpfende Monumentalität hätte auf keinen Fall dem republikanischen
Selbstverständnis der Bürger entsprochen.
Man stellt fest, dass diese Eigenheiten des Halberstädter Rathauses durchaus
auch unseren Vorstellungen von einem Rathaus der sich selbst verwaltenden
Bürgerschaft entsprechen.
8. Warum wird eine angepasste Neubaulösung immer mit dem historischen
Original verglichen?
Als die Bürger von Halberstadt sich entschieden haben, ihr Rathaus wieder an
der alten Stelle auf dem vorhandenen Grundriß und in den ursprünglichen
Dimensionen zu errichten, haben sie sehr bewußt an ihre Geschichte gedacht.
Einen Wiederaufbau haben sie damals wohl noch nicht beabsichtigt. Man
glaubte, eine Symbiose aus dem Historischen und dem Zeitgemäßen erreichen zu
können, zumal noch vorhandene Teile wie der Roland, die Ratslaube und der im
Erdreich steckende Ratskeller in den Neubau einbezogen werden sollen. Das
Ergebnis dieser Zielsetzung liegt in Architektenplänen und einem Modell vor.
Eine angepaßte Neubaulösung muß sich aber immer dem Vergleich mit dem
ursprünglichen Original stellen. Man setzt die architektonischen Qualitäten
gegeneinander und kommt dann zwangsläufig zu einer Wertung. Dabei wird die
Modernität bzw. die Postmodernität der architektonischen Details keinen Wert
an sich darstellen. Man wird die Einmaligkeit der Architektur suchen, die
das Original besaß.
9. Warum kann die angepaßte Lösung nicht überzeugen?
Bei einer Analyse der angepaßten Neubaulösung fällt sofort eine
Monumentalität auf, die das Original bewußt vermieden hat, die aber typisch
für die Postmoderne ist. Anstelle der maßstabgebenden Zweigeschossigkeit des
historischen Rathauses treten hohe zweigeschossige Arkadenformen mit einem
dritten Fenstergeschoß auf. Diese imponieren wollenden Fassaden bedienen
sich aber historisierender Segmentbögen, wie sie das ursprüngliche Rathaus
auch besessen hat. Im Original überspannten diese Bögen nur die Fenster des
Erdgeschosses. Im Neubau überspannen sie zwischen Pfeilern zwei Geschosse
und setzen einen völlig neuen, im Vergleich zum Original übersteigerten
Maßstab. Die Ratslaube, die vor dem historischen Gebäude als herausgehobenes
Architekturelement stand, verliert vor den Arkadenformen ihre Bedeutung und
wirkt klein und beziehungslos angeklebt. Besonders das über alle Geschosse
gehende ungegliederte Fensterelement, das den Giebel des Nordsüdtraktes
spaltet, dominiert die kleinteiligere Ratslaubenarchitektur. Eine solche,
über die Geschosse greifende vertikale Fensterarchitektur kennt man sonst
von giebelseitigen MitteIflurbelichtungen in Verwaltungsgebäuden, Schulen,
Krankenhäuser und ähnlichen Einrichtungen aus den 50er Jahren.
Der schmale Glas-Leichtmetallerker daneben erscheint unmotiviert. Er soll
aber an den feingliedrigen Renaissanceerker des historischen Rathauses
erinnern, der die Mauerwerksflächen des Südgiebels schmückte und so gut mit
der Ratslaubenarchitektur korrespondierte.
Wie an der Süd- und Nordfassade sind bei der angepaßten Neubaulösung auch an
der so wichtigen Westfassade am Holzmarkt Großformen geplant mit einem
monumentalen stockwerksübergreifenden verglasten Mittelfeld. Der Roland, der
vor dem zweigeschossigen Mauerwerkskörper des historischen Gebäudes einen
beeindruckenden Akzent setzte, verliert in der Neubauplanung seine
maßstabgebende Fassung und wirkt nun klein und abgestellt.
10. Warum kann der angepaßte Neubau nicht unverwechselbar sein?
Grundsätzlich ist zu erkennen, daß das Ziel, eine "gläserne Verwaltung"
schaffen zu wollen, mit Glasfassaden nicht erreicht werden kann, zumal dann,
wenn sie vor einer "Markthalle" sitzen. Im Vergleich mit dem historischen
Bau könnten noch einige andere kritische Punkte beleuchtet werden, wobei
allerdings auch die Möglichkeit eingeräumt werden kann, Korrekturen
vorzunehmen. Das würde aber bedeuten, daß man sich dem Original weiter
nähert.
Entscheidend bei einer Diskussion über eine angepaßte Neubaulösung oder
einen Wiederaufbau des Rathauses in den historischen Formen scheint aber die
Frage zu sein, ob mit dem angepaßten Neubau die gleiche unverwechselbare
einmalige Rathauslösung entstehen kann wie bei einem Wiederaufbau. Bei dem
vorliegenden Vorschlag kann die Frage verneint werden. Er bedient sich des
geläufigen Formenrepertoires der zur Zeit vorherrschenden postmodernen
Strömung. Man wird ihm in Architekturform und Detail an anderen Orten wieder
begegnen. Damit soll auf keinen Fall ein Urteil über die Architektenleistung
abgegeben werden, die ausdrücklich anerkannt wird. Jeder Architekt wird aber
vor eine Aufgabe gestellt, die nicht befriedigend gelöst werden kann, wenn
man von ihm fordert, eine Neuschöpfung mit Blick auf ein bedeutendes Vorbild
zu liefern, wobei die Neuschöpfung das Vorbild erkennen lassen, aber für
sich wieder ein unabhängiges Original sein soll.
Wenn der Auftraggeber das historische Original für so bedeutsam hält, daß
ihm ein Neubau ähneln soll, so liegt doch die Frage nahe, warum man sich
dann nicht entschließt, das historische Original zu rekonstruieren, wenn
genügend Unterlagen und sogar bauliche Relikte vorhanden sind.
11. Warum kann das Rathaus qualitätvoll wieder aufgebaut werden?
Weil es sich bei den Wiederaufbauten in unseren Städten immer um die
Wiederherstellung von bedeutenden Werken der Baukunst handelt, muß wegen der
Verpflichtung gegenüber dem Original höchste Qualität angestrebt werden.
Letztendlich wird die Qualität zum fachlichen Kriterium für die Beurteilung
der Berechtigung eines Wiederaufbaus. Daher muß ein sehr sorgfältiger
Abwägungsprozeß, in dem geklärt wird, ob man den Qualitätsansprüchen gerecht
werden kann, einer Entscheidung für einen Wiederaufbau vorgeschaltet werden.
Eine solche Abwägung muß im Falle des Rathauses von Halberstadt zu einer
Entscheidung für einen Wiederaufbau führen.
Von dem Rathaus sind in genügendem Maße detailgenaue Fotografien vorhanden,
die schon jetzt eine generelle zeichnerische Rekonstruktion ermöglichen. Es
bestehen die wesentlichen Grundriß- und Detailpläne, so vor allem eine
Bestandaufnahme der nur teilzerstörten Ratslaube vor ihrem Abriß. Die
Grundmauern und der Keller des Gebäudes sind noch im Erdreich vorhanden. Die
Kellerräume sind mit Abbruchteilen des Bauwerks angefüllt, die ohne weiteres
wieder verwendet werden können. Auf der Grundlage des Vorhandenen kann eine
exakte fotogrammetrische Rekonstruktion aller Fassaden hergestellt werden
mit Ausnahme der Nordfassade des Traktes am Holzmarkt. Die aber stammt erst
aus den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts und könnte frei gestaltet werden.
Im Vergleich zum Beispiel zu Frankfurt und Hildesheim sind in Halberstadt
die fachlichen und sachlichen Voraussetzungen für einen Wiederaufbau des
Rathauses optimal. Wenn die Bürgerschaft es will, kann das Rathaus wieder in
seinen historischen Formen entstehen.
12. Warum soll Halberstadt keinen Aprilscherz bauen?
Eine Halberstädter Zeitung hat die Diskussion in einem Aprilscherz auf den
Punkt gebracht. Sie hat geulkt, daß man auf dem historischen Platz im
historischen Grundriß in den historischen Proportionen Container aufstellen
wolle, um dann nach Belieben mal die historische, mal eine moderne Fassade
vorhängen zu können. Und in der Tat wäre es ein Witz, wenn man die
historischen Umrisse, die ja aus dem inneren Gefüge im Verein mit der
Gestalt der Fassaden erwachsen sind, wieder herstellt, um sie dann mit
irgendwelchen postmodernen Fassaden zu behängen!
In den bisherigen Diskussionen um den Rathausbau ist immer wieder
Ehrlichkeit beschworen worden. Soll denn die Wiederherstellung der
historischen Konturen aber mit neuen Fassaden ehrlicher sein als der
konsequente Neuaufbau des Rathauses in historischer Form?
Die Bürgerinitiative „Holzmarkt Fischmarkt" ist nicht für faule Kompromisse,
sondern für ein ehrliches Bekenntnis zum konsequenten Wiederaufbau des
einmaligen Rathauses von Halberstadt in den historischen Dimensionen mit den
dazu gehörenden Fassaden und den wesentlichen Innenräumen. Wir wollen keinen
Aprilscherz bauen!
[Prof. Dipl.-Ing. Dietrich Klose (BDA), Hildesheim 1996]
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