Appell der Vorsitzenden des Dachverbandes Historische Stadt i. G. an
die Verantwortlichen der Stadt Halle
Sehr geehrte Damen und Herren!
Zu meinem großen Bedauern ist es mir unmöglich, zu der Sitzung des
Gestaltungsbeirats am morgigen Dienstag nach Halle zu kommen.
Ich appelliere daher auf diesem Wege eindringlich an die Verantwortlichen
der Stadt:
Vergeben Sie nicht diese wichtige Chance für die wunderbare Stadt Halle! Mir
erscheint es zwingend, daß - nachdem ein so großer und wertvoller Teil der
Altstadt erhalten ist und Halle aufgrund dieser Tatsache in Deutschland
berühmt ist – das Alte Rathaus und das Waagegebäude wieder aufgebaut werden
müssen. Bitte machen Sie nicht den Fehler der westdeutschen Städte mit ihren
austauschbaren Kaufhausfassaden. Ein einmaliges, unverwechselbares Stadtbild
kann nur aus der Historie abgeleitet sein. Halle mit seiner
bewegend-bewegten Geschichte muß sich auch baulich zeigen. In vielen Städten
Deutschlands herrscht Umkehr: Denken Sie an den Wiederaufbau des
Knochenhauer Amtshauses in Hildesheim (hierfür wurden die hässlichen
60er-Jahre-Bauten abgerissen), denken Sie an den Wiederaufbau der Alten
Waage in Braunschweig, an die großen Anstrengungen der Stadt Mainz, ihre
historische Stadt wieder sichtbar zu machen, und denken Sie an den jüngsten
Beschluss der Stadt Frankfurt am Main (!), die Alte Stadtbibliothek wieder
aufzubauen. Dies sind nur wenige Beispiele von vielen. Überall herrscht
Einkehr und Umkehr. Und die Bürger selbst wollen eine unverwechselbare
Stadt. Fragen Sie Ihre Bürger, Sie werden sicherlich eindeutige Meinungen
bekommen.
Ich habe Verständnis für die Überlegungen der Stadtväter angesichts von
wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Bedenken Sie aber bitte, daß das Stadtbild
mit seinen zentralen Gebäuden eine Sache ist, die über einen viel weiteren
Zeithorizont wirkt als die momentanen Probleme. Damit will ich nichts
bagatellisieren. Sicherlich wird die Durststrecke für die ostdeutschen
Städte noch einige Jahre anhalten. Und dennoch wird der Stadt Halle mit
einem geheilten Stadtkern viel mehr und nachhaltiger geholfen sein als mit
einem schnell hochgezogenen hässlichen Bau.
Bitte bedenken Sie dies und stellen Sie jetzt die Weichen in die richtige
Richtung!
Mit freundlichen Grüßen
Annette Ahme
Langjährige Vorsitzende der Gesellschaft Historisches Berlin
Vorsitzende Dachverband Historische Stadt i. G.
(E-Mail vom 3. Juni 2002)
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