Bebauung der
Nord-Ecke des Marktes
Aus einem Brief vom 25.07.2001 an den Planungsdezernenten, Dr. F. Busmann,
zur Bebauung der NO-Ecke des Marktes (Grundstück der ehemaligen Ratswaage)
Sehr geehrter Herr Dr. Busmann,
Mir ist bekannt, dass - wie Sie schreiben - die Stadt Halle nicht
einen Neubau an der Nord-Ost-Ecke des Marktes nach historischem Vorbild
befürwortet. Die Stadt Halle ist aber in diesem Falle offenbar kein Synonym
für die Mehrheit der halleschen Bürger. Von Minderheitsvoten für eine
historisierende Gestaltung kann wohl mit Blick auf bestimmte Gremien die Rede sein.
(Mög-liche Gründe hierfür möchte ich an dieser Stelle nicht erörtern.) Alles deutet
aber darauf hin, dass die Bürgerschaft mit deutlicher Mehrheit keinen dominierenden,
marktbeherrschenden Baukörper in der NO-Ecke wünscht. Vielmehr wird eine historisierende
Variante - in Anlehnung an den ent-sprechenden Vorschlag aus dem Büro Kister -
unmißverständlich bevorzugt. Dies ist unser Ein-druck aus zahllosen Gesprächen während
der 50. Händelfestspiele und auch an unserem derzei-tigen Informationsstand auf dem
Markt. Gegner einer historisierenden Variante sind ausgespro-chen rar. Bei den wenigen
Gegnern handelt es sich vor allem um Bürger, die eine Bebauung der NO-Ecke überhaupt
ablehnen. Wenn die geringe Zahl der Gegner unseres Anliegens am Stand gebeten wird, ihre
Meinung in einer separaten Unterschriftenliste kund zu tun, so wird kaum da-von Gebrauch
gemacht.
Sie erwähnten eine bereits erfolgte Befragung, die Ihre Position stärkt. Bitte teilen
Sie mir die Fragestellung und die Ergebnisse im Detail mit.*
Ich stimme Ihnen zu, dass die während der 50. Händelfestspiele gesammelten
Unterschriften noch nicht repräsentativ sind. Wenn man sie jedoch zu den Gegner-Stimmen
ins Verhältnis setzt, ist ein deutliches Votum gegen einen unsensiblen Umgang mit der
NO-Ecke nicht zu übersehen. Auch die von Ihnen ausgezählten mehr als 40 Unterschriften
von Nicht-Hallensern, von Gästen der 50. Händelfestspiele, z.T. ehemaligen Hallensern,
sollte man nicht geringschätzen. Ist die Auffassung Auswärtiger, die den Ruf der Stadt
mitbestimmen, eine zu vernachlässigende Größe?
Die Information der Bürger und Sammlung von Unterschriften (Pro und Contra) wird
fortgesetzt. Da es aber im Bereich des Möglichen liegt, dass die Unterschriften von
der Stadt als nicht bin-dend ad acta gelegt werden, werden wir auch andere
Wege beschreiten, um die Bürgermeinung öffentlich zu artikulieren.
Die Bebauung der NO-Ecke wie der gesamten Ostseite des Marktes ist ein außergewöhnlich
exponiertes Bauvorhaben. Es darf nicht von Vertretern in Gremien entschieden werden, die
of-fenbar die - mit höchster Wahrscheinlichkeit - vorherrschende Meinung unter den
halleschen Bürgern nicht kennen oder nicht zur Kenntnis nehmen wollen.
Um Sie selbst, die Stadt und die mit den entsprechenden Entscheidungen
befaßten Personen von der tatsächlichen Meinung der Mehrheit der Bürger zu überzeugen,
ist ein Bürgerbegehren in Vorbereitung. Ich bin fest davon überzeugt, dass die dafür
erforderlichen 10 000 Stimmen gegen die Klotzvariante und zugunsten einer historisierenden
Version abgegeben werden.
Es bleibt zu hoffen, dass die Entscheidungsträger dieses Votum als triftigen
Grund für die histo-risierende Variante respektieren. Am Informationsstand haben
uns übrigens zahlreiche Bürger ihre Mithilfe beim Bürgerbegehren zugesagt.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Ulrich Schröder
* Fragestellung und Ergebnisse wurden dem Verfasser bis zum 06.09.2001 noch nicht
mitgeteilt.
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